| 22.04. - 22.08. - 22.12. / Leseordnung im Jahreslauf | |
| 01 | Zu oft schon sind durch Einsetzung eines Priors schwere Streitigkeiten in den Klöstern entstanden. |
| 02 | Vom bösen Geist des Stolzes aufgebläht, bilden sich manche ein, zweite Äbte zu sein; sie reißen die Herrschaft über andere an sich, sie schüren Ärger und Streit, sie stiften Zwietracht in ihren Gemeinschaften. |
| 03 | Das geschieht vor allem dort, wo derselbe Bischof und die selben Äbte, die den Abt einsetzen, auch den Prior einsetzen. |
| 04 | Wie verkehrt das ist, lässt sich leicht einsehen; denn schon vom Tage seiner Einsetzung an wird dem Prior Anlass zum Stolz gegeben. |
| 05 | Seine Gedanken flüstern ihm nämlich ein, er sei der Autorität seines Abtes entzogen, |
| 06 | weil er von denselben eingesetzt sei wie der Abt. |
| 07 | Daraus entstehen Neid, Streit, Verleumdung, Eifersucht, Zwietracht und Unordnung. |
| 08 | Wenn Abt und Prior gegeneinander stehen, bringt diese Zwietracht ihre Seelen zwangsläufig in Gefahr, |
| 09 | und auch ihre Untergebenen laufen ins Verderben, wenn sie den Parteien schmeicheln. |
| 10 | Die Hauptverantwortung für diesen gefährlichen Missstand trifft jene, die eine solche Unordnung verursacht haben. |
| 23.04. - 23.08. - 23.12. / Leseordnung im Jahreslauf | |
| 11 | Daher halten wir es zur Wahrung des Friedens und der Liebe für angebracht, dass der Abt die Ämter in seinem Kloster nach eigenem Ermessen besetzt. |
| 12 | Wenn möglich sollen Dekane alle Belange des Klosters nach den Weisungen des Abtes regeln, wie wir schon früher bestimmt haben. |
| 13 | Sind mehrere beauftragt, kann ein einzelner nicht stolz werden. |
| 14 | Erfordern es aber die örtlichen Verhältnisse oder äußert die Gemeinschaft begründet und mit Demut die Bitte und hält es der Abt für gut, |
| 15 | wähle er mit dem Rat gottesfürchtiger Brüder einen aus und setze ihn selber als seinen Prior ein. |
| 16 | Der Prior führe in Ehrfurcht aus, was ihm sein Abt aufträgt; er tue nichts gegen den Willen oder die Anordnung des Abtes. |
| 17 | Denn je höher er über die anderen gestellt ist, um so sorgfältiger muss er die Weisungen der Regel beobachten. |
| 18 | Stellt sich heraus, dass der Prior voller Fehler ist oder, vom Hochmut betört, sich Stolz überhebt oder nachweislich die heilige Regel verachtet, werde er bis zu viermal mit Worten zurechtgewiesen. |
| 19 | Bessert er sich nicht, treffe ihn die von der Regel vorgesehene Strafe. |
| 20 | Ändert er sich auch so nicht, werde er seines Amtes als Prior enthoben, und ein anderer, der geeignet ist, soll an seine Stelle treten. |
| 21 | Ist er auch danach in der Gemeinschaft nicht ruhig und gehorsam, werde er sogar aus dem Kloster gestoßen. |
| 22 | Doch bedenke der Abt, dass er über alle seine Entscheidungen vor Gott Rechenschaft ablegen muss, damit nicht die Flamme des Neids oder der Eifersucht seine Seele verzehrt. |